Neue App: Unfallkarte für Köln

Wo passieren in Köln häufig Verkehrsunfälle? Wo passieren schwere oder gar tödliche Unfälle und wo weniger schwere? Das interessiert gleichermaßen Bürger wie Politiker und Verwaltung. Jedes Jahr berichtet die Polizei der Verwaltung über sogenannte Unfallhäufungsstellen*, also Kreuzungen und Strecken mit drei oder mehr mindestens schwerwiegenden Verkehrsunfällen. Die Verwaltung wiederum reicht diese Informationen an die Bezirksvertretungen weiter. Im Ratsinformationssystem der Stadt Köln – und somit auch auf Offenes Köln – finden sich dazu zahlreiche PDF-Dokumente mit Tabellen.

Aber wie sieht die Situation in Köln auf einen Blick aus? Ist eine Unfallhäufungsstelle auf Dauer gefährlich, oder gab es nur in einem einzigen Jahr vermehrt Unfälle? Hat die Verwaltung Maßnahmen ergriffen, um dem erhöhten Unfallaufkommen entgegen zu wirken?

Diese Fragen anhand der Original-Dokumente zu beantworten, fällt nicht leicht. Denn es gibt Berichte zu insgesamt fünf Jahreszeiträumen von 2007 bis 2011. Die Kreuzungen und Problemstellen werden teils unterschiedlich bezeichnet. Und letztlich fehlt eine Karte.

Hier kommt die Unfallkarte für Köln zu Hilfe. Dafür haben wir die Daten zu allen 250 Unfallhäufungsstellen aus den Jahresberichten 2007 bis 2011 extrahiert. Jede Stelle (bis auf eine Ausnahme**) wurde mit einer Geo-Position versehen, um diese auf einer Karte anzeigen zu können.

Unsere Karte zeigt nun unterschiedlich große Kreise für jede Unfallhäufungsstelle an. Bei Klick bekommt man zusätzliche Informationen.

Die Größe der Kreise hängt ab von der Anzahl und der Schwere der registrierten Unfälle. Unfälle mit Schwerverletzten werden fünfmal höher und solche mit Todesopfer 15 mal höher gewichtet als Unfällen mit “nur” leicht verletzten Opfern. Die Farbe der Kreise ergibt sich daraus, wie lange es zurück liegt, dass die Stelle als Unfallhäufungsstelle berichtet wurde. Liegt die letzte Erwähnung im Jahr 2011, ist die Farbe leuchtend orange. Je länger die letzte Erwähnung her ist, desto blasser wird die Farbe. Eine schwarze Umrandung eines Kreises bedeutet, dass es an dieser Stelle Todesopfer zu beklagen gibt.

Als Nutzer kann man weiterhin unter allen vorhandenen Unfallhäufungsstellen in Köln suchen oder die Anzeige auf bestimmte Jahre eingrenzen. Wie das nachstehende Bild zeigt, kann man so zum Beispiel Häufungsstellen sehen, über die bereits 2007 berichtet wurde, die aber auch in jüngerer Zeit (2011) wieder in Berichten auftauchten (leuchtend orange). Die Kreuzung “Hohenzollernring / Friesenplatz / Magnusstraße” ist so ein Fall. Die weiter nördlich gelegene Kreuzung “Hohenzollernring / Bismarckstraße / Kaiser-Wilhelm-Ring / Herwarthstraße” hingegen war 2007 zuletzt als Häufungsstelle vermerkt, was an der grauen Färbung zu erkennen ist.

Hier noch die ausführliche Erläuterung der Infos bezüglich Maßnahmen: Zu jeder Unfallhäufungsstelle gibt die Verwaltung in jedem Jahresbericht mindestens einen der folgenden drei Vermerke an:

  • Maßnahmen erfolgt: Es wurde etwas unternommen, um die Unfallgefahr zu mindern.
  • Maßnahmen in Vorbereitung/Prüfung: Maßnahmen werden geplant bzw. befinden sich in Prüfung.
  • Keine Maßnahmen vorgesehen: Die Unfallstelle wurde geprüft und es sind keine geeigneten Maßnahmen ersichtlich.

Trotz der augenscheinlichen Transparenz kann die Unfallkarte eine Frage nicht beantworten: welche Maßnahmen die Verwaltung ergriffen hat, um die Unfallhäufigkeit und damit die Gefahr für die Verkehrsteilnehmer zu reduzieren. Dies ist auch aus den tabellarischen Berichten, die die Verwaltung an die Bezirksvertretungen und den Verkehrsausschuss weiter gibt, nur in wenigen Fällen und in Stichworten (z.B. “Verkehrsüberwachung” oder “Baustelle”) ersichtlich. Wer mehr über die Maßnahmen in Erfahrung bringen will, muss dies auf anderen Wegen recherchieren oder sich direkt an die Stadtverwaltung wenden.

Offene Daten

In den Daten steckt noch mehr, als unsere Unfallkarte aktuell anzeigt. Die Zahl der Unfälle, an denen Fußgänger und Radfahrer beteiligt waren, wird getrennt aufgeschlüsselt. Vermutlich kann man aber auch darüber hinaus interessante Erkenntnisse aus den Daten ziehen.

Für derartige Anwendungen und Auswertungen stehen die Daten der Unfallkarte in zwei Formaten zur Verfügung: Als JSON-Datei und als Google Docs Tabellendokument.

Die Daten stehen unter der ODbL-Lizenz und dürfen unter Angabe der Herkunft (“Offenes Köln”) für beliebige Zwecke verwendet werden.

Was sagt Euch die Unfallkarte? Ist diese Anwendung für Euch interessant? Wir freuen uns über Feedback, Fragen und Hinweise.

Zur Unfallkarte Köln

* Die genaue Definition einer Unfallhäufungsstelle laut Stadt Köln:

Laut Erlass des Ministeriums für Verkehr, Energie und Landesplanung vom 11.03.2008 liegt eine Unfallhäufungsstelle innerhalb der 1-Jahres-Betrachtung grundsätzlich dann vor, wenn sich auf einem Knoten oder einer Strecke drei Unfälle der Kategorie 1 – 4 des gleichen Typs ereignen. [...] Die Unfallkategorien sind wie folgt aufgeteilt:
- Kategorie 1: Verkehrsunfall mit Getöteten;
- Kategorie 2: Verkehrsunfall mit Schwerverletzten;
- Kategorie 3: Verkehrsunfall mit Leichtverletzten;
- Kategorie 4: Schwerwiegender Verkehrsunfall mit Sachschaden;
- Kategorien 5 – 7: Sonstige Sachschadensunfälle.

** Die Unfallhäufungsstelle “Äußere Kanalstraße / Ein- und Ausfahrt Shell-Tankstelle” im Stadtteil Ehrenfeld konnte nicht lokalisiert werden. Für Hinweise, wo sich diese Tankstelle befindet oder befunden hat, sind wir dankbar. (Update 16.8.2012: Dank eines Kommentars und mit Hilfe von Google Streetview wissen wir, dass damit die Stelle in Nähe der Subbelrather Straße gemeint sein muss, an der sich seit einiger Zeit eine Aral-Tankstelle befindet.)

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